Was Kinder heute brauchen – Raum für Begeisterung statt eisige Härte

Apr. 29, 2025

Wenn Druck die Freude erstickt

 

Neulich war ich mit meinem Sohn beim Schlagzeugunterricht.
Er liebt Musik – sein Schlagzeugspiel sprudelte bisher voller Freude und Begeisterung. Doch etwas hat sich verändert.
Sein Lehrer – ein sehr bekannter Schlagzeuger – zog im Unterricht plötzlich das Tempo stark an. Die Freude wich einer spürbaren Anspannung. Mein Sohn verlor das Leuchten in den Augen.

Ich suchte das Gespräch und erklärte, wie wichtig mir die Freude am Lernen ist. Doch die Antwort war kühl:

„Ich bin kein Kinderhütedienst.“

Natürlich verstehe ich, dass Anspruch und Förderung wichtig sind.
Aber es ist ein schmaler Grat: Unter zu viel Druck stirbt Begeisterung.
Und ohne Begeisterung bleibt kein Wachstum – nur Frust.

Alte Muster, neue Generation

 

 Leider begegnet mir dieses Muster nicht nur hier.
Im Dorf gibt es einen Sportverein, die sogenannte „Jugi“. Auch meine Tochter war dabei – bis sie keine Lust mehr hatte.
Gruppenstrafen für Vergehen, die sie nicht begangen hatte, sinnlose Strafarbeiten, wenig Verständnis für individuelle Bedürfnisse.
In Gesprächen mit Leitern hörte ich Aussagen wie:

„Du musst Kinder in ein Eisbad stecken, nicht in einen 32-Grad-Pool.“

Mir stockte der Atem.
Noch immer glauben viele, Kinder müssten abgehärtet werden, als wäre Sensibilität ein Makel.
Aber die Kinder und Jugendlichen von heute machen da nicht mehr einfach mit.
Und ich finde: Das sollten wir endlich anerkennen.

Warum handeln viele Erwachsene so?

 

Vielleicht fragst du dich: Warum begegnen uns Erwachsene wie der Schlagzeuglehrer oder der Jugi-Leiter auf diese Weise?
Warum setzen sie auf Druck, auf Härte, auf alte Methoden?

Ich glaube:
Auch sie sind geprägt von einer Welt, in der Leistung, Anpassung und Durchhalten zentrale Werte waren.
In diesen Strukturen finden sie bis heute Bestätigung und Anerkennung – und das meine ich nicht abwertend oder abschätzig.
Dort, wo sie sich aufhalten, werden sie gesehen. Dort fühlen sie sich richtig.

Und genau darum geht es:
Es ist wichtig, dass sich jeder Mensch dort wohlfühlt, wo er steht.
Wenn jemand seinen Platz gefunden hat und sich dort getragen fühlt, dann ist er am richtigen Ort – unabhängig davon, ob wir persönlich denselben Weg gehen würden.

Es braucht keine Bewertung.
Nur ein liebevolles Anerkennen, dass wir alle auf der Suche sind – nach Zugehörigkeit, nach Sinn, nach einem Platz, an dem wir wachsen können.

Wachsen aus Begeisterung – nicht aus Angst

 

Ja, das Leben ist nicht immer leicht.
Aber es macht einen großen Unterschied, ob ein Mensch mit innerer Stärke und Freude Herausforderungen begegnet – oder mit gebrochenem Herzen und lähmender Angst.

Wenn Kinder begeistert sind, entwickeln sie sich aus sich selbst heraus weiter.
Dann lernen sie, wachsen sie, tragen Verantwortung – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen.

Diese Begeisterung entsteht nicht aus Druck.
Sie entsteht, wenn Kinder sich gesehen, ernst genommen und ermutigt fühlen.

Auch wir waren so – und wurden oft nicht gesehen

 

Wir selbst waren als Kinder nicht anders.
Auch wir waren feinfühlig, eigenständig, kreativ.
Nur wurden wir oft nicht wirklich gesehen oder ernst genommen.

Wer sich anpasste oder einfach weitermachte, wurde vielleicht weniger auffällig –
aber wirklich angenommen waren auch wir nicht.
Viele von uns galten trotzdem als

„schwierig“, „zu laut“, „zu verträumt“, „zu empfindlich“ oder „zu anstrengend“.

Nur wenige Kinder – jene mit besonders starkem inneren Willen – konnten schon damals ihren eigenen Weg gehen.
Die meisten aber haben gelernt, sich zu verbiegen.
Heute spüren wir oft erst als Erwachsene, wie sehr uns das geprägt hat.

Jetzt ist die Zeit, neue Wege zu gehen

 

Doch jetzt sind wir an einem Wendepunkt.
Die Kinder von heute fordern uns auf, alte Muster zu hinterfragen.
Sie zeigen uns: Es gibt andere Wege.

Wollen wir wirklich, dass sie den gleichen Weg gehen müssen wie wir –
oder geben wir ihnen die Chance, ihre eigene Kraft auf ihre eigene Weise zu entfalten?

Kinder brauchen keinen Eispool.
Sie brauchen echte Begeisterung.
Sie brauchen Erwachsene, die sie nicht verbiegen, sondern begleiten.


 

Reflektionsfrage für dich:

Wann hast du zuletzt die leuchtenden Augen eines Kindes gesehen – und was war der Grund dafür?


Wenn dich dieser Beitrag berührt hat, freue ich mich, wenn du ihn teilst.
Gemeinsam können wir die Welt ein kleines Stück bewusster und liebevoller für unsere Kinder gestalten. 💛

Corinne Suter

Corinne Suter

Praxis Rauna

Ich liebe es, Menschen an ihre eigene Kraft und Lebendigkeit zu erinnern.
Mit viel Herz, Klarheit und feiner Intuition begleite ich dich auf deinem Weg zu mehr Vertrauen, Freude und innerer Freiheit.